was wäre, wenn wir das System Gehirn verstehen könnten??

von: Samy1
am 04.Oct.2006 22:8:26

wissenschaftliche Revolution!

Wir wissen vieles über die Welt und die Natur bis hin zum Atom. Das Gebiet von dem wir so gut wie keine Ahnung haben, sind wir selbst, also das Gehirn. Das "Ich", die Seele, Persönlichkeit etc sind alles Teile vom Gehirn. Es kann gar nicht anders sein. Das hat gar nichts mit Atheismus oder Materialismus zutun. Es kann ja trotzdem Gott geben. Niemand hat ja definiert, aus was sich das Konzept "Seele" zusammensetzt. "Die Seele" kann ja durchaus das Produkt von Materie(gehirn) sein.

Zum eigentlichen Thema: Wenn wir die Funktionsweise des Gehirns durchschaut haben, wäre das der nächste Schritt, bzw die nächste Ebene des Bewußtseins. Wenn uns bewußt wird, wie wir funktionieren, käme das dem mystischen Begriff der Erleuchtung gleich. - In einer Weise die rational (also mit dem Techniken unseres Gehirns fassbar) ist.

Wenn wir wirklich einmal so weit sind, wäre es erstmal ein Schock. Psychologisch gesehen käme es wahrscheinlich zu noch mehr mentalen Störungen. Denn wenn Menschen schon in einer relativ niedrigen Ebene des Bewußtseins die bekannten Bewußtseinstörungen bzw Ich-Störungen entwickeln, welche Störungen wird dann das vollkommene Bewußtsein über uns produzieren. Wobei andererseits durch das Wissen um die Gehirnfunktionen Störungen leichter behoben werden müssten. (Wobei das oft nicht stimmt. Beispielsweise kennen wir das Funktionsmodell des autistischen Gehirns. Können es aber nicht ändern)

Das Wissen um die höheren Gehirnfunktionen wäre wahrscheinlich das Maximum der wissenschaftlichen Erkenntnis. Man muss aber bedenken, dass dieser Schritt rekursiv ist. Denn das Wissen über unser Denken, setzt Denken voraus.
"Wenn das menschliche Gehirn so einfach wäre, sass wir es verstehen könnten, wären wir so einfach, dass wir es nicht könnten."
- Emerson M. Pugh, 1977

Die Auswirkungen auf Religion und Philosophie wären katastrophal. Sie müssten sich voll und ganz der Hirnwissenschaft unterstellen. Philosophie würde zur naturwissenschaftlichen Disziplin, die ihre Theorien durch Experimente verifizieren kann. Somit zum nächsten Thema: Experimente an Menschen? Die wären dann wahrscheinlich nicht mehr nötig, eher Beobachtungen an Menschen.

Der gefährlichste Aspekt wäre natürlich die uneingeschränkte Manipulation. Wir werden ja schon heute durch Werbung und Erziehung manipuliert. Seit Freud kennen wir den Begriff "Unbewußtsein". Ob der anscheinende freie Wille als Manifestation des Unbewussten zu sehen ist, wird sich herausstellen.
Wenn wir über unser Gehirn Bescheid wissen, wissen wir es zu manipulieren - in jeder Hinsicht. Wir sind uns dessen dann auch vollkommen bewußt. Wir hätten dann auch eine Schnittstelle zu dem Gehirn (eine Schnittstelle zu uns selbst- hääh? Ich setze voraus, dass das "Selbst" nur ein Teil des Gehirns ist). Wir wüßten mit dem Gehirn zu kommunizieren, ihm Befehle zu erteilen, es zu programmieren. Praktisch: eine Input neben unseren Sinnesorganen. Wichtig dabei ist, dass wir uns diesem input bewußt machen müssen, um nicht "überrascht zu werden". - Der Input unserer Sinnesorgane ist und meistens bewußt. Was würde das für das Lernen bedeuten?

Führt uns das volle Bewusstsein über uns zur totalen Krise oder zur vollen Erkenntnis? Nun, das käme wohl darauf an, was hinter dem "vollem Bewußtsein" steckt. Wahrscheinlich kommt es nie dazu. Vielleicht schließt es sich selbst aus.


bearbeitet am 18.Nov.2006 23:36:23





Kommentare

von: Anonym
am 13.Oct.2006 23:55:14

Wenn es eine Schnittstelle zum Gehirn gäbe, könnte man endlich Gehirnimplantate benützen. Praktisch "Pimp my Brain".

von: Anonym
am 20.Oct.2006 20:12:23

gratulation!

Sehr schöner Text, regt zum Denken an! =)

von: Anonym
am 26.Nov.2006 23:19:30

Sehr gut gedacht

Der Text gefällt mir extrem gut.
Ich selbst träume, wie es eben typisch für Leute ist, die sich der Naturwissenschaft verschrieben haben, dass man die Welt in eine Formel stecken kann.
Dein Text zeigt wunderbar auf, dass das wohlmöglich nicht das Beste für die Menschheit wäre...

von: Samy1
am 17.Mar.2007 0:52:55

Apropos Schnittstelle zum Gehirn

Die heutige Wissenschaft lässt Muster erkennen, die zeigen, dass ein vollkommenes Verständnis eines Bereiches nicht nötig ist um Anwendungen in diesem Bereich zu implementieren und zu benutzen. Das wird zb bei der Gentechnik deutlich. Ob das langfristig sinnvoll ist, darf bezweifelt werden. - Aber die Wirtschaft verlangt nach profitablen Resultaten der Forschung. Die Wirtschaft verbleibt sich die Forschung ein. Dabei kommt oft die Grundlagenforschung zu kurz.

Worauf ich hinaus will: Wir müssen das "System Gehirn" nicht verstehen, um es zu manipulieren. Ein Teilverständnis öffnet die Tür zu einer Teilmanipulation, ohne Wissen auf Auswirkungen auf die ungeklärten Teile. Wobei bekanntlich "das Ganze mehr ist, als die Summe der Einzelteile". Der Ansatz ist schon vollbracht: Brain Computer Interfaces. - In der hirnforschung revoltionär; in absehbarer Zeit anwendbar.  Und hier sind wir wieder beim Anfang: Anwendungen von Teilwissen, ohne Verständnis des ganzen Systems...

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von: Morlin
am 24.Jul.2009 22:55:12

Das Wissen um die "höheren Gehirnfunktionen"

...wäre möglicherweise eine herbe Enttäuschung! Eine Wissen um die Verstrickung des menschlichen Bewusstseins in archaische  Antriebe und Gefühlsschemata würde uns den Blick auf eine primitive und dennoch geniale Funktionsweise offenbaren. Je nachdem wie die "Ursuppe" des Bewusstseins "abgewürzt" ist, kommt der Mensch einer Bewusstheit nah oder bleibt ihr fern. Religion oder Philosophie sind meiner Meinung nach in keinster Weise gefährdet durch einen hohen Bewussheitsgrad; auch nicht durch den fiktiven "absoluten" Bewusstheitsgrad. Kein hoher Bewusstheitsgrad kommt ohne GlaubensWissensmodelle aus.

von: Anonym
am 30.Jul.2009 20:12:9

Naja, wenn's garnicht anders geht....

kann man es ja wie folgt versuchen: http://www.maastrek-werbeartikel.de/werbeartikel/32230/bildergehirn/

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