was wäre, wenn Firmen Kriege führen würden?
von: Samy1
am 28.Nov.2006 2:42:21
wenn das Gewaltmonopol des Staates von Konzernen übernommen wird
Heute gibt es etwa sieben Millionen Soldaten weniger auf der Welt als 1989, schätzt der Militärfachmann P.W.Singer. Im ersten Irak-Krieg 1991 standen rund 50 private Soldaten und Sicherheitsberater aufseiten der Anti-Saddam-Koalition. Im heutigen Irak kämpfen zwischen 20.000 und 50.000 (Update April 2008: 100.000 , man plant die Zahl auf 300.000 auszubauen)sog. Söldner für 160 Unternehmen.Niemand kennt die genaue Anzahl der ausländischen Söldner im Irak, da die Firmen ohne Lizenz agieren. Vom Pentagon beauftragte Unternehmen schließen Verträge mit Subunternehmen ab; keine staatliche Stelle übt effektive Kontrolle aus. - Ausländische Söldner unterliegen nicht dem irakischen Strafrecht. Dabei verdienen sie zwischen 500 und 1500 Dollar pro Tag.
In einer Welt, in der Konzerne ohne Kontrolle global agieren können, sind Sicherheitsunternehmen ein sehr profitables Geschäft. Internationale Schätzungen gehen von Aufträgen im Wert von 100-200 Mrd $ aus. Hinzu kommt, dass nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion genügend Personal zur Verfügung stand. Seit Anfang der neunziger Jahre gibt es von Albanien bis Zimbabwe kaum einen bewaffneten Konflikt, an dem nicht Unternehmen verdienen. West-Afrika ist ein gutes Bsp, wie Regierungen private Söldnertruppen für sich arbeiten liessen, und diesen oft die Drecksarbeit überliessen. Ohne einem wirkungsvollen Internationalen Gerichtshof brauchen sich die Söldner vor den Folgen von Kriegsverbrechen nicht zu fürchten. Das macht sie sehr flexibel.
Damit wäre ein weiterer Aspekt der globalisierten Wirtschaft aufgezeigt: Flexibilität - positiv gesehen, aber genau so ohne Kontrolle- realistisch gesehen.
Bis vor einigen Jahren hat entweder Gott die Seinen in den Krieg geschickt (bis ins 19Jhd) oder eben der Staat. Das staatliche Gewaltmonopol bröckelt heute aber auf allen Kontinenten. Sicherheit und Ordnung waren bisher Aufgabe von Regierungen, die von der Bevölkerung gewählt wurden und dieser auch verantwortlich sind. Polizeiliche und militärische Aufgaben verkommen aber immer mehr zu einem der lukrativsten Geschäftszweige der globalisierten Ökonomie.
Zum Szenario
Schon heute sind Regierungen immer stärker von großen Konzernen abhängig und handeln immer öfter in deren Interesse. Das aktuellste Bsp ist der Irak. Es zeichnet sich die Entwicklung ab, dass in der Zukunft die Sparte der Sicherheit vollkommen von der Privatwirtschaft vereinahmt wird - ganz nach neoliberalen Gedankengut. Diese Firmen sind nicht demokratisch gewählt und nicht der Bevölkerung sondern den Aktionären verpflichtet. Ideologien und ethische Grundsätze sind nebensächlich im Streben nach Gewinnmaximierung und Marktbeherrschung. Diese Eigenschaften können in öffentlichen Bereichen, wie der Wasserversorgung, dem Gesundheits- und Bildungswesen katastrophale Auswirkungen haben. Noch stärker aber im sensiblen Bereich der direkten Gewaltausübung.
Es ist nicht auszudenken, wenn Konzerne tatsächlich das Gewaltmonopol übernehmen und es für ihre Interessen einsetzen. Das wird ein stetiger Prozess sein, der sich mit der Ausbreitung der Kompetenzen von Konzernen verstärken wird. Die Entwicklung steuert aber genau dorthin. Der Staat zieht sich immer mehr zurück und überlässt Konzernen heikle Kompetenzbereiche. Global agierende Konzerne stehen noch dazu keiner global agierenden Kontrollinstanz gegenüber, womit es den multinationalen Konzernen ziemlich einfach gemacht wird das Machtvakuum zu füllen.
Wenn schon heutezutage Konzerne so viel Einfluss auf Regierungen haben, um Kriege zu führen bzw diese aufrecht zu erhalten, wird es wohl in Zukunft noch extremer und direkter zugehen. Bei aktuellen Konflikten sind Regierungen der Bevölkerung indirekt Rechenschaft schuldig, die sie offiziell bemächtigen den Konflikt weiterzuführen (Terrorismus...).
Diese Rechenschaft würde wegfallen. Es wäre sehr wahrscheinlich, dass die einzige Überlegung vor der Führung eines Krieges eine Kosten-Nutzen Analyse sein wird. Der Krieg wird zur wirtschaftlichen Ware und als solche unkontrolliert.
Ein Gegenargument wäre der schwere Imageschaden, den die Konzerne dann hätten. Dieses Argument ist aber leicht zu entkräften, wenn die Konzerne Subunternehmen beauftragen. - Vergleichbar mit den Produktionsbedingungen der Bekleidungsindustrie, wo die Konzerne die Schuld auf die Subunternehmen , welche sie mit der Produktion beauftragen, schieben. Ausserdem haben Konzerne bewiesen, wie wirksam die öffentliche Meinung durch gezielte Public Relation -Strategien beeinflußt werden kann.
bearbeitet am 28.Nov.2006 2:51:36
bearbeitet am 13.Dec.2006 16:40:32
bearbeitet am 08.Apr.2008 14:41:27


