was wäre, wenn es eine Zweistaatenlösung im nahen Osten gäbe?
von: masterblaster
am 26.Sep.2006 13:24:12
Stellen wir uns vor, durch ein rational nicht erklärbares Ereignis käme es zu einer Lösung des Nahostkonflikts. Also zwei Staaten. Ein sicheres Israel in seinen international anerkannten Grenzen. Palästina in den seit 1967 besetzten Gebieten mit Souveranität über die Grenzen und den Luft und Seeraum. Also ein unabhängiger Staat.
Welche Auswirkungen auf die Bevölkerung, auf die Nachbarstaaten und auf die Welt allgemein hätte diese Entwicklung? Wer wäre Nutzniesser und Verlierer? Daraus würde sich wahrscheinlich auch ableiten, wer eine solche Lösung verhindert.
Vom Frieden profitieren die meisten. Die grosse Masse der Machlosen würde auf jeden Fall profitieren. Frieden bedeutet
Wohlstand für die Bevölkerung. Wenn die Menschen nicht mehr in Angst leben müssen, bedeutet das eine grosse Entlastung. Andererseits hat die Politik und die Geschichte bewiesen, dass man die Bevölkerung in Angst halten muss, um sie kontrollieren und manipulieren zu können.
Ein grosser Teil der Wirtschaft wäre genauso Nutzniesser von Frieden. Andererseits gibt es auch genügend Firmen, die von der Krisensituation profitieren. (u.a Waffen und Sicherheitsfirmen). Wie wir bei den Anschlägen vom 11.9 sahen wir auch, wie einzelne Personen und Investmentfirmen von Katastrophen und Krisen profitieren. Ein anderer zu beachtender Aspekt ist das Öl. Friede in der Region würde zu einem Absinken des Öl-Preises führen, womit die Milliardengewinne der Ölfirmen Vergangenheit wären.
Politisch muss man v.a die Auswirkungen auf die USA betrachten, denn diese bestimmt letzendlich, ob Frieden möglich ist. Israel war immer ein starker Partner der USA. Man spricht auch von der größten US-Militärbasis. Wenn es Frieden gäbe, würde eine Motivation bzw ein Argument der USA wegfallen ihre geopolitischen und strategischen Interessen in der Region durchzusetzen und zu wahren.
Nicht zu sprechen von dem Einfluss der zionistischen- und Öl -Lobbys.
Wenn Israel solch einer Lösung zustimmen würde, wäre das ein Schwächung ihrer Situation und der aller neokonservativer Ideologen, allen voran der USA.
Wie würde es mit der arabischen Welt stehen? Syrien würde eine solche Lösung zu verhindern versuchen, solange sie nicht einbezogen wäre. Andererseits würden viele arabische Regime ihren Hauptfeind verlieren. Der Nahostkonflikt war für die Regime immer schon Vorwand für die Weiterführung der Diktatur und Unterdrückung der Bevölkerung.
Ein anderes Thema sind die Hundertausenden palästinensischen Flüchtlingen in den arabischen Ländern. Nur in Jordanien haben ein Teil der Palästinenser die Staatsbürgerschaft erhalten. Die anderen können praktisch von heute auf morgen abgeschoben werden. Schon nach der Gründung der paläst. Autonomie haben tausende Palästinenser die Aufenthaltsberechtigung verloren. Wie leicht die Abschiebung von hundertausenden Palästinenser funktioniert, zeigte das Jahr 1991 Kuwait. Wegen der Unterstützung Saddam Husseins durch Arafat mussten die 300.000 Palästinenser Kuwaits das Land praktisch über Nacht verlassen.
Andererseits sind die Palästinenser demokratisch den meisten arabischen Ländern voraus. Ausserdem hat die EU auf wenige Staaten so einen grossen Einfluss wie auf Palästina.
Viele Leute, deren Ideologie auf Konfrontation aufbaut, wären Verlierer vom Frieden. Aber leider haben gerade diese Personen einen grossen Einfluss auf die Weltpolitik, besonders dieser Region.


