wenn Russland den Gashahn zudreht?

von: Samy1
am 02.Nov.2006 1:20:23

Die wieder gewonnene Macht

Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Energiepolitik einen gewaltigen Einfluss auf die siamesischen Zwillinge Wirtschaft und Politik ausübt. Wenn ein Land die Möglichkeit sieht seine Macht durch die Kontrolle über Energieressourcen ausbauen zu können, zögert es nicht. - Auch wenn das Mittel dazu Krieg und Leid ist (siehe Irak). Einer der heikelsten Konflikte der letzten und voraussichtlich der nächsten Jahre wird der Kampf über die Energieressourcen und der Transportwege sein.

Es zeigt sich nämlich immer mehr, wie sich der Einfluss eines Landes verstärkt, wenn man die Kontrolle über diesen "Motor der Welt" hat. Der Einfluss ergibt sich u.a auch daraus, dass man den Preis der Energieressourcen (zb durch Krieg) hoch hält.
Das Paradebeispiel sind natürlich die USA. Vielleicht haben sie dieses Spiel erst salonfähig gemacht. Ein anderer Staat, welcher massiv durch den hohen Energiepreis und die damit verbundene Macht profitiert, ist Russland. Hier geht es v.a um Erdgas. 28% des Weltvorkommens warten in Russland darauf gefördert zu werden.

Was passiert, wenn ein Land nicht im Interesse Russlands handelt, hat man am Beispiel der Ukraine gesehen. Nach der "orangenen Revolution", welche eine Abkehr vom ehemaligen grossen Bruder darstellte, drehte Russland den Gashahn zu und verhandelte um einen neuen Preis, welche ein vielfaches des alten Freundschaftspreises war. Das ist deshalb möglich, da in Russland der Staat massiven Einfluss auf die Energiewirtschaft hat. Der größte Energieproduzent ist die staatliche Gazprom. Und wenn einer der privaten Konzerne nicht spurt, wird der Konzern zerschlagen (siehe Chossudovsky).
Russland nutzt natürlich die neu gewonnene Macht, um den Einfluss auf der Welt zu erhöhen - wie in den guten alten Zeiten. Die Mehreinnahmen durch die hohen Energiepreise werden nicht dazu benutzt, um Russland zu sanieren und die Demokratie zu stärken, sondern im Gegenteil: die Macht wird auf das Staatsoberhaupt Putin konzentriert, der zum neuen Zar mutiert, und Kritiker werden kurzerhand beseitigt.

Dieses totalitäre Handeln wird zwar formell von den europäischen Staaten kritisiert, aber nachgehackt wird nicht. Zu heikel wäre der Verlust der Energiepartnerschaft mit Russland. Immerhin werden schon fast die Hälfte des EU-Erdgasverbrauchs aus Russland gedeckt. Es ist natürlich taktisch sehr unklug in diesem Ausmass von einer Quelle abhängig zu sein, aber keine Ausnahme im Energiebereich. Vergleichbar ist dies mit dem Schweigen der USA zu diktatorischen Regimen im Nahen Osten, solange diese Erdöl liefern.
Russland fordert jedoch die ihm gebührende Stellung in der Welt. So wie ausländische Firmen nach dem Ende der Sowjetunion den russischen Markt genutzt haben, möchte Putin nun auch das inoffizielle Verbot für russische Firmen aufheben im europäischen Markt zu investieren.- Schon werden über grössere Anteile Russlands an EADS und den Einstieg von Gazprom in den europ. Enegiemarkt verhandelt.

Es zeigt sich, dass die Forderungen Russlands ernst genommen werden. Denn eine Verstimmung des neu auferstandenen Riesen kann sich Europa nicht leisten. Wenn Russland das Gas abdreht, gehen in Europa die Lichter aus und es käme zu einen weiteren grossen Konflikt auf der Welt. 

bearbeitet am 02.Nov.2006


bearbeitet am 13.Dec.2006 16:34:32





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