was wäre, wenn man den Ländern der 3. Welt die Schulden erlässt?

von: mm24
am 16.Nov.2006 14:18:58

Seit Jahrzehnten ist bekannt dass die allermeisten Staaten der südlichen Hemisphäre von einem riesigen Schuldenberg erdrückt werden, der sogenannte „Schuldendienst“ (Rückzahlung von Kreditrate plus Zinsen) macht bei vielen Ländern mehr als die Hälfte des BIP aus. Diese Staaten haben auf Jahrzehnte hinaus keine Chance ein funktionierendes Bildungssystem oder gar sowas wie ein Gesundheitssystem aufzubauen, die Last der Schulden ist erdrückend.

Der Kapitalfluß von der Nord zur Südhalbkugel steht in keiner Relation zu den Unsummen an Gütern, Waren und Devisen die von der Südhalbkugel aus gen Norden geliefert werden, den Schuldendienst noch nicht miteinberechnet.

Der Wert eine Ware, steigert sich, solang sie sich in den Produktionsstätten in der 3. Welt befindet, um gerade mal den Faktor x1+/-0,5 pro Arbeitsschritt, dies entspricht in etwa der realen Wertschöpfung der Ware (sofern es sich um ein Fertigprodukt handelt). Dementsprechend klein ist auch das Kapital dass in den Erzeugerländern verbleibt. Die andere Form der Wertschöpfung geschieht dann in der nördlichen Hemisphäre, angefangen beim Transport der Ware nach Norden, hier steigert sich der Wert der Ware durch Groß und Zwischenhändler, Zölle und Taxen bis zum Kunden durchschnittlich um den Faktor x5 (Lebensmittel z.B.) bis hin zu Faktor x50 (teure Markentextilien).
Das Kapital wird also in der Nordhalbkugel geschaffen und verbleibt auch dort, die Erzeugerländer gehen beinahe leer aus.

Noch verstärkt wird dieser Effekt durch korrupte und ausbeuterische Regimes, die das wenige Kapital das ins Land, kommt für ihre Zwecke mißbrauchen. Millionen Dollar an Entwicklungs- und Hilfsgeldern versickern im Sumpf der Korruption und wandern in die Taschen einiger weniger.
Mit den Hilfsgeldern, mit denen eigentlich Staudämme, Straßen, Krankenhäuser und Schulen errichtet werden sollten, haben sich einige ihren Lebensabend versüßt, mit Grundstücken an der Côte d’Azur und Luxusjachten – während die Bevölkerung ihrer Heimatländer im Staub sitzt und verdrecktes Wasser trinken muss.

Aber wer sind eigentlich die Gläubiger der 3. Welt? Ihre Namen kennen wir alle, „Merrill Lynch Capital Investment“, die berühmt-berüchtigte „Weltbank“, einige große schweizer und internationale Bankhäuser sowie die USA.

Manche behaupten dass ein totaler Schuldenerlaß die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise stürzen würde, aber erinnern wir uns doch an die große e-commerce Krise in den USA vor ein paar Jahren, damals wurde ein unglaubliches Kapital binnen kürzester Zeit vernichtet, hunderte Milliarden von Dollar einfach weggepustet.
Klar, ein sofortiger Schuldenerlass würde auch ein paar Köpfe zum Rollen bringen und der eine und andere Vorsitz wird danach nicht mehr derselbe sein, aber im Großen und Ganzen sollte die westliche Welt ohne größeren Schaden davonkommen..

Ein sofortiger und totaler Schuldenerlaß würde diesen Staaten endlich die Möglichkeit geben, sich selbst aufzubauen, eine funktionierende Infrastruktur und eine Sicherung der Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu ermöglichen.
Allerdings ist ein Schuldenerlaß ohne Demokratie ohne Nutzen, die herrschenden Machthaber müssten unter allen Umständen zuerst abgesetzt werden und eine Demokratie eingeführt werden.

Welcome 2 Utopia....?

bearbeitet am 16.Nov.2006





Kommentare

von: Samy1
am 16.Nov.2006 19:1:49

Guter Text. Es ist auch bekannt, dass unter dem Strich mehr Kapital von der Dritten Welt zu den Industriestaaten geht, als umgekehrt. Die Zinsen haben die Höhe der Kredite schon übertroffen.

Eines muss aber beachtet werden: bedingungsloser Schuldenerlass wäre nicht sinnvoll. Man sollte das mit der Bedingung von Reformen verknüpfen. Diese Art der Erpressung kennen wir aber schon vom IWF und der Weltbank: Wenn es neoliberalistische Reformen gibt, bekommt ihr neue Kredite.

Nein, Schuldenerlass wäre ohne eine grundlegende Struktur des Finanzmarktes, der IWF, WTO und der Weltbank nicht sinnvoll.- die Staaten würden nur noch schlimmer erpresst werden, und durch den Anreiz des Schuldenerlasses katastrophale Reformen bereitwillig durchführen. Letztendlich würden dann die Geberländer profitieren, nicht die Schuldner.

Schuldenerlass: ja. Aber mit vernünftigen, nicht-neoliberalen Reformen und keinen Erpressungen.

von: Anonym
am 16.Nov.2006 21:36:8

Der letzte  Satz ist der realistischste

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